Fachforum 2026
Netzwerken mit Input
Von Führung und Flexibilisierung, Grauzonenvirtuosen und Vakuumräumen – und warum ein Führungscoach Tucholsky rezitiert.
Fachforum 2026: Interdisziplinäre Referenten, rund 80 Teilnehmer aus dem ganzen Bundesgebiet, Raum für Austausch.
Mit einem kleinen Improvisationsmoment startete das Fachforum 2026: Andreas Pörtner aus der Geschäftsführung des AÜG NETZWERKs eröffnete die Veranstaltung.
Jeannine Uzunoglu, Geschäftsführerin des AÜG NETZWERKs, nahm die Teilnehmenden mit auf einen Rückblick auf 2025 – und machte dabei Mut: Trotz herausfordernder Rahmenbedingungen hat das NETZWERK sein gutes Niveau gehalten. Und das sei alles andere als selbstverständlich. „Märkte verändern sich, Rahmenbedingungen werden komplexer, Erwartungen steigen.“
Umso deutlicher wurde ihre Botschaft an die Netzwerker: „Die positive Tendenz kommt nicht von ungefähr. Sie liegt daran, dass ihr jeden Tag Euer Bestes gebt.“
Es sei unser Durchhaltevermögen, das uns vom Wettbewerb unterscheide, sowie die Kombination aus Fleiß und Geschicklichkeit. Konsequent durchziehen, auch wenn es unbequem wird, denn niemand nimmt uns die Arbeit ab. Und das sei ja nichts Neues: Jedes Jahr bringe seine eigenen Herausforderungen. „Aber genau darin liegt unsere Stärke: Wir bleiben dran.“
Tarifarbeit mit Substanz – das neue DGB/GVP-Tarifwerk
Tarifrecht muss keine trockene Materie sein – das zeigte uns auf seine gewohnt offene und heitere Weise Edgar Schröder mit seinen Branchennews. Als erster Redner des Fachforums nahm er uns mit zu den Knackpunkten des neuen DGB/GVP-Tarifwerks. Es ging um Historie und Haltung. „Warum machen wir Tarifverträge? Weil sie Struktur schaffen. Sicherheit geben. Orientierung bieten.“
Tarifarbeit sei Fleißarbeit, ein Lösungsschlüssel, kein Plattformgeschäft. Denn Plattformmodelle funktionieren ohne echte Mitarbeiterbindung. Das mag in Einzelfällen auf Distanz funktionieren. „Aber wir stehen für Verbindlichkeit, für Beziehung, für Verantwortung“, so Edgar Schröder.
„Die geilste Tarifreform: Wegfall der Probezeit“ – ein Satz, der hängen blieb. Ein deutliches Signal für Vertrauen und Wertschätzung. Gleichzeitig die Mahnung: „Wir brauchen einen klaren Kurs.“ Und natürlich die Frage, die viele bewegt: Worauf achten die Prüfer gerade besonders? Transparenz. Dokumentation. Saubere Prozesse. Denn: „Regelwerk ist mehr als Blabla.“ Das zeigte sich auch an der regen Fragerunde: wo sonst Pickelbälle im Atrium fliegen, flog während des Fachforums der rote Mikrofonwürfel durch das Publikum. Die sehr offenen Fragen unterstrichen deutlich den Netzwerkcharakter dieser Veranstaltungen im CIRCLE77: jede Tochtergesellschaft hat regional und fachlich bedingt ihre eigenen Fragen, aus denen das gesamte NETZWERK Erkenntnisse mit in ihre Niederlassung nimmt.
Aktive Fragerunde statt Frontalbeschallung: Austausch auf Augenhöhe.
„Ihr seid die Botschafter für die Flexibilisierung am Standort Deutschland.“ Ein Satz, den die Zuhörer sicherlich mit nach Hause nehmen. Anspruch und Auftrag zugleich. Verantwortung übernehmen. Haltung zeigen. Skalierbare, messbare Erfolge schaffen.
Die Prognose für das zweite Halbjahr? Positiver. Der Vortrag? Offen, motivierend, ehrlich. Und danach: eine Pause mit frischer Luft, guten Gesprächen und intensivem Austausch – wie immer das Herzstück der Detmolder Netzwerktreffen.
Dr. Reinhard Sprenger im CIRCLE77
Dr. Reinhard K. Sprenger, einer der international bedeutendsten Berater und Trainer für Personalentwicklung und kreativer Vordenker in Fragen der Unternehmens- und Mitarbeiterführung war erneut zu Gast im AÜG NETZWERK. Führung, Motivation und Verantwortung. Dr. Reinhard Sprenger brachte es auf den Punkt: Es geht um Selbstverantwortung und Eigenmotivation. „Klick-Klack. Manche nennen es Denken.“
Wir lebten nicht in einer Leistungsgesellschaft, sondern in einer Erfolgsgesellschaft. Das sei ein Unterschied. Dazu gab Reinhard Sprenger direkt zu Beginn den entscheidenden Hinweis: Motivation kommt von innen, Motivierung von außen. Und wer ständig auf äußere Impulse warte, gäbe Verantwortung ab. Mit der Definition von Wahlfreiheit legte er den Teilnehmern konkretes Werkzeug in die Hand, denn sie bedeute:
Sie können alles tun.
Und alles hat Konsequenzen.
Auch das Thema der inneren Einstellung ist eine Verbindung zur Unternehmensphilosophie des NETZWERKs. Besonders eindrücklich: Sprengers Frage nach der Quelle von Stress. Seine Antwort: „Wenn wir „Ja“ sagen, aber „Nein“ meinen.“ Die Entscheidung läge bei uns. Es sei eine Frage der inneren Einstellung, denn es handle sich um die Verantwortung jedes einzelnen: „Wie reagiere ich auf etwas?“ Sehe ich den Menschen – oder nur meine Erwartungen? Lege ich das Gewicht auf das, was fehlt, oder auf das, was da ist? Dies waren nur einige der Fragen, die Reinhard Sprenger im Atrium anstieß.
„Love it, leave it or change it.“
Einfach gesagt. Kraftvoll gemeint.
Aus Angst, ein besseres Leben zu verpassen, verpassen wir oft das, was längst da ist. Genau hier setze Führung an. Bei Klarheit. Bei Haltung. Bei bewusster Entscheidung. Zwei Stunden, die sicherlich lange nachhallen, genau wie Tucholskys Gedicht „Das Ideal“, welches er zum Abschluss rezitierte.
Netzwerken live und in Farbe ist für uns stets mehr als ein reines Fachtreffen: voneinander lernen, miteinander wachsen, Verantwortung teilen. Im Anschluss an die hochkarätigen Vorträge des ersten Tages gab es im Verlauf des Abends hinreichend Möglichkeit zum weiteren Austausch über die Themen des Fachforums, Entwicklungen in den Niederlassungen sowie Persönliches in gewohnt angenehmer Atmosphäre während des Essens oder auf der Tanzfläche.
Am Mittwoch begrüßte Dennis Greenfield, Geschäftsführung des AÜG NETZWERKs, die Teilnehmer zum zweiten Tag des Fachforums mit seinem Thema „Klarheit und Konsequenz“. „In jeder Krise steckt eine Chance.“ Kein Kalenderspruch, sondern eine Haltung. Denn Krisen seien nicht die Ausnahme, sie seien normal. Entscheidend sei, wie wir mit ihnen umgehen, griff er Reinhard Sprenger wieder auf. Dennis nahm das Bild der Goldgräberstadt Dorsten. Am erfolgreichsten sei dort nicht der Goldgräber selbst gewesen, sondern eine Frau, die Wärmflaschen und Kleidung an die Goldsucher verkauft habe. Während andere im gleichen Muster gruben, dachte sie weiter. Antizyklisch. Cleverer. Wertschöpfend.
Dennis formulierte deutlich: „Es gibt keinen Zaubertrank, der alles regelt.“ Wir müssen Alternativen suchen. Kreativer werden. Fleißiger sein. Wie im Sport: Talent allein reicht nicht. Es geht um Training, Disziplin und Fokus. Und dieser Fokus sei im NETZWERK eindeutig: Vertrieb. Recruiting. Besetzung. Alles andere sei Nebensache. „Wir müssen unsere Energie auf die Elemente der Wertschöpfungskette richten. Nicht auf Milchtüten-Einsparungen.“ Umstellungen seien anstrengend, aber sobald sichtbar werde, dass etwas funktioniere, entstehe wieder ein Flow.
Vom Hype zum
messbaren Hiring-System
– KI im Recruiting
Im darauffolgenden Vortrag schlug Denis Franz von MONA AI die Brücke in die technische Zukunft. Weg vom Buzzword, hin zum messbaren System. Künstliche Intelligenz im Recruiting – konkret und praktisch. „Mehr Zeit für wertschöpfende Prozesse“ war der Leitgedanke. Denn KI entwickele sich rasant. Und ja, da schwinge manchmal die Frage mit: Wird der Entwickler bald durch seine eigene Entwicklung ersetzt?
Die Antwort war eindeutig: „Nein. Im Gegenteil. Nutzen wir sie“, denn wer früh adaptiere, gewinne. Denis Franz zeigte den Teilnehmern die Pain-Points und Quick-Wins mit Fokus Recruiting und KI. Er betonte mehrfach den Nutzen für die Wertschöpfungskette, um nicht in toter Arbeitszeit zu verharren. „113 Minuten, die der Mensch lieber im echten Kontakt verbringen soll.“ Er zeigte am Kandidatenpool deutlich: Wo gehen Zeit und Qualität verloren? Wo liegt „totes Kapital“?
Doch eines wurde ebenso klar betont: KI ist ein Werkzeug. Umsetzen muss der Mensch.
Die Einführung von KI sei keine Spielerei nach dem Motto „Ich teste das mal“. Es sei eine Grundsatzentscheidung für das Unternehmen. Ein echter Change-Prozess. Von Bedeutung für die Mitarbeiter: „Die Rolle des Recruiters wird sich verändern, aber nicht verschwinden.“ Wichtig sei hier, ein Aufgabenvakuum zu vermeiden. Aufklärung schaffe Akzeptanz, um Angst und Unzufriedenheit zu vermeiden.
Auch Judith Wodtke und Marcel Bailman vom AÜG NETZWERK griffen dieses Thema im Anschluss auf, um die Trends im Recruiting aufzuzeigen. Besonders beeindruckend: die Möglichkeit, aus gesprochenem Wort direkt eine fertige Stellenanzeige zu generieren. Zeitsparend. Effizient. Praxisnah. Ein Beispiel für die Bedeutung und Macht von Worten.
Besonders Themen wie Datenschutz, Transparenz und Sichtbarkeit sowie SEO und GEO wurden offen diskutiert. Regionale Unterschiede spielten ebenso eine Rolle wie die ganz konkrete Frage: Was könnt Ihr morgen im Tagesgeschäft umsetzen? Und wichtig für das NETZWERK: Kein einmaliger Frontalvortrag, sondern die Gewissheit, dass Judith und Marcel für konkrete Fragen und praktische Seminare gerne zur Verfügung stehen.
Zum Abschluss des Fachforums 2026 brachte Bettina Nolting die MENTOR.I Stiftung auf die Bühne. Die seit 2016 tätige gemeinnützige Stiftung agiert durch die Kultur als Brückenbauer zwischen Wirtschaft und Wissenschaft, indem sie unter anderem philosophische Fragen in ökonomische Kontexte stellt. Augenzwinkernd und mit gewohnt bewegendem Subtext stellte sie die Themen und Zielgruppen der Stiftung vor, die sich regional sowie bundesweit in unterschiedlichen Formaten bewegen. Sie nahm die Bedeutung der Gemeinnützigkeit für das gesamte NETZWERK deutlich in den Fokus: Verantwortung ende nicht am Unternehmenstor und gemeinsam könne man Großes bewegen. Der gleichzeitige Mehrwertfaktor wurde am Beispiel von Kundenveranstaltungen in die Runde getragen.
Wertvolle Beiträge, nachhaltiger Austausch, neue Kontakte – zwei Tage im CIRCLE77, die nachhallen.
Krisen als Chance begreifen. Fokus halten. Technologie nutzen. Mensch bleiben.


















